Die Finanzkrise und die mit ihr verbundenen Turbulenzen am Kapitalmarkt haben in den zurückliegenden Monaten ein bis dato als rein philosophisches Risiko betrachtetes Faktum in den Mittelpunkt des Interesses gerückt und dadurch das Ansehen strukturierter Finanzprodukte signifikant verschlechtert. Strukturierte Produkte – dazu zählen u.a. alle Bonus-, Discount- und Garantiezertifikate – werden vom Emittenten als (oft nachrangige) Inhaberschuldverschreibung konzipiert. Im Fall einer Emittenten-Pleite, wie sie mit dem Zusammenbruch des einst renommierten US-Investmenthauses Lehman-Brothers die Anleger erschütterte – fließt die Einlage der Zertifikate-Besitzer in die allgemeine Insolvenzmasse ein. Eine Einlagensicherung für Inhaberschuldverschreibungen existiert nicht -Investoren tragen das Totalverlustrisiko in vollem Umfang selbst.

Das Interesse an strukturierten Produkten hat spürbar nachgelassen – die Finanzindustrie versucht nun durch neue Sicherungsmechanismen, das Vertrauen der Anleger zurückzugewinnen. Zertifikate im Fondsmantel sind eine zwar nicht ganz neue, aber dennoch viel versprechende Lösung der Emittenten-Problematik: Ein Investmentfonds, der als rechtliches Sondervermögen von der Bonität einer Bank unabhängig ist, kann die Struktur eines Zertifikates nachbilden und dem Anleger damit eine identische Performance bieten. Besonders interessant erscheint die Fonds-Lösung im Bereich von Rolling-Discount oder Rolling-Bonus-Produkten, die aufgrund der Glättungskomponente auch im längerfristigen Vermögensaufbau bzw. der Vermögensverwaltung zum Einsatz kommen.

Wie sich die Kosten eines Zertifikates im Fondsmantel für den Anleger auf Dauer gestalten werden, ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht absehbar. Plausibel ist ein geringer Ausgabeaufschlag im Umfang von einem bis zu zwei Prozent und eine moderate Verwaltungsgebühr. Bislang konnten die Emittenten durch die nachrangige Gestaltung der Schuldverschreibungen zusätzliche und in der Regel auf den ersten Blick nicht ersichtliche Vorteile erzielen – dies wird in Zukunft nicht mehr möglich sein.

Anleger sollten in der nächsten Zeit besonders wachsam im Hinblick auf die rechtliche Konstruktion strukturierter Produkte sein. Für eine Übergangszeit ist mit verschiedenen, parallel angebotenen Lösungen zu rechnen, die zu einer recht intransparenten Angebots-Landschaft führen können.