Preiserhöhungen beim Strom, schlechter Service bei dem Telefonambieter: Viele Verbraucher würden ihre Verträge lieber heute als morgen kündigen. Doch macht das Sinn? Oder kommt man nur vom Regen in die Traufe?

Hat Sie Ihr Energieversorger in den vergangenen Wochen auch mit einer satten Preiserhöhung geschockt? Dann geht es Ihnen wie vielen Deutschen. Über 120 Stromanbieter haben ihre Tarife angehoben – zum Teil kräftig. Über das Warum, streiten die Fachleute. Fest steht, dass die Stromkonzerne sich bislang Preiserhöhungen von den Bundesländern absegnen lassen mussten. Seit einiger Zeit fällt diese Kontrolle weg. Für Experten ist das der wahre Grund für die steigenden Preise. Die Elektrizitätswirtschaft rechtfertigt ihre Erhöhungen dagegen mit angeblich steigenden Beschaffungskosten. „Sofort die Anbieter wechseln!“ fordern die Verbraucherzentralen jetzt alle Kunden auf, die mehr zahlen sollen.

Den Anbieter wechseln – geht das denn so einfach?
Ja. Seit der Liberalisierung des Strommarktes 1998 kann sich jeder seinen Anbieter selbst aussuchen. Er ist nicht auf den Energieversorger vor Ort angewiesen und kann jederzeit kündigen (Fristen im Vertrag nachschauen). Doch nur die allerwenigstens nutzen die Möglichkeit bisher. Laut einer Studie haben 94 Prozent der Deutschen noch nie ihren Anbieter oder Tarif gewechselt. Ein Fehler. Denn gerade weil die Kunden bei ihren teuren Versorgern bleiben, haben die keinen Druck, ihren Strom günstiger anzubieten.

Was sollte ich beim Wechsel beachten?
Verbraucherberater empfehlen, vom neuen Anbieter eine Preisgarantie zu verlangen. So können Sie sich vor späteren Erhöhungen schützen. Zudem sollte der Vertrag eine kurze Laufzeit (max. 6 Monate) haben und eine kurze Kündigungsfrist (höchstens 4 Wochen). Wenn Sie sich für einen Anbieter entschieden haben, ist das Schwierigste geschafft. Um den Rest kümmert sich der neue Stromlieferant – auch um die Kündigung Ihres alten Vertrags.

Krankenkasse, Telefon: Was bringt der Wechsel hier?
Seit die Krankenkassen Wahltarife anbieten müssen und viele mit attraktiven Geldprämien für gesundheitsbewusstes Verhalten locken, kann sich hier ein Wechsel wirklich auszahlen. Und der ist ganz einfach: Wer 18 Monate bei seiner Kasse ist, kann jederzeit kündigen – und zwar immer zum Ende des übernächsten Monats. Beim Wechsel des Telefonanbieters ist Vorsicht geboten. Aus Studien wissen die Tester, dass viele Kunden auch mit ihren neuen Anbietern unzufrieden sind. Häufigste Klage: der Service. Hat man sich für den Wechsel entschieden, sollte der vom neuen Unternehmen in die Wege geleitet werden. Sonst kann es passieren, dass zwischenzeitlich „kein Anschluss unter dieser Nummer“ zu hören ist.