Was darf er nicht pfänden?

Wen muss man in die Wohnung lassen?
Wer Rechnungen über eine lange Zeit nicht bezahlt oder bezahlen kann, bei dem steht irgendwann der Gerichtsvollzieher vor der Tür. Aber: Erst wenn einem Gläubiger ein vollsteckbarer Titel – Urteil über die Feststellung der Zahlungsverpflichtung – vorliegt, kann er einen Gerichtsvollzieher dem Schuldner zunächst einen nicht angekündigten Hausbesucht ab. Trifft er den Schuldner nicht an, hinterlässt er eine Information, an welchem Tag er ihn erneut aufsucht. Kann der Schuldner zu diesem Termin nicht anwesend sein, sollte er sich dringend mit dem Gerichtsvollzieher in Verbindung setzen und ihn informieren, ob und wann die Schulden beglichen werden/wurden bzw. wann er anzutreffen ist. Beim ersten Besucht besteht keine Pflicht, den Gerichtsvollzieher in die Wohnung zu lassen – aber es ist besser, ihn nicht abzuweisen. Denn: Wird ihm der Zutritt verweigert, kann auf Antrag des Gläubigers die Zwangsdurchsuchung der Wohnung angeordnet werden – Tür wird gewaltsam geöffnet, die Wohnung durchsucht. Die Kosten (z. B. für den Schlüsseldienst) trägt der Schuldner. Der Gerichtsvollzieher darf alles pfänden, was nicht zu den unpfändbaren Gegenständen (z. B. Tisch, Bett) zählt, wie etwa das Auto, Schmuck, Videokamera, Computer, Antiquitäten. Nicht pfändbar sind Gegenstände, die der Berufsausübung dienen oder aus gesundheitlichen Gründen notwendig sind. Bei wertvolleren Gegenständen hat der Gerichtsvollzieher die Möglichkeit der Austauschpfändung – hierbei werden wertvolle Gegenstände durch preiswerte ersetzt. Was nicht sofort mitgenommen werden kann, erhält bis zum Abtransport (auf Kosten des Schuldners) ein Pfandsiegel.

Wenn die Inkassofirma mit Sanktionen droht…
Manche Gläubiger warten nicht darauf, dass ein Gericht ein Urteil spricht und sie die Sache einem Gerichtsvollzieher übergeben können. Sie beauftragen Inkassofirmen mit der Durchsetzung ihrer Forderungen. Inkassofirmen dürfen aber grundsätzlich nur das, was auch Gläubiger unternehmen dürfen. Meist versuchen sie, Schuldner außergerichtlich zur Zahlung zu bewegen – häufig durch Ausübung von Druck. In regelmäßigen Anrufen werden kostenpflichtige Besuche angekündigt (oft auch durchgeführt), und Inkassobüros verschicken Mahnschreiben, in denen Sanktionen angekündigt werden. Hilft der außergerichtliche Druck nichts, wird ein seriöses Inkassobüro die Forderungen gerichtlich durchsetzten. Keinesfalls dürfen Inkassofirmen Wohnungen betreten, und Schuldner müssen auch nicht mit Außendienstmitarbeiten sprechen. Wird körperliche Gewalt angedroht, sollen Schuldner umgehend die Polizei rufen. Inkassofirmen dürfen nicht mit Schufa- Einträgen drohen oder den Schuldner zu einer Unterschrift unter eine Ratenzahlungsvereinbarung oder einer Abtretungserklärung nötigen.

Dürfen Anwälte auch Schulden eintreiben?
Ja. Beauftragt ein Gläubiger einen Rechtsanwalt mit der Durchsetzung seiner Geldforderungen, schickt dieser zunächst eine anwaltliche Mahnung an den Schuldner. Bleibt die erfolglos, kann er einen Mahnbescheid beantragen oder Klage erhaben, um einen streckbaren Titel (z. B. Urteil, notarielles Schuldanerkenntnis) über die Forderung zu erhalten. Sobald ein vollstreckbarer Titel vorliegt, kann der Anwalt Vollstreckungsmaßnahmen beantragen, wie z. B. die Pfändung des Gehaltes oder des Bankkontos. Anwälte selbst dürfen nicht pfänden und auch nicht mit dem Schuldner verhandeln, wenn dieser anwaltlich vertreten ist. Dazu sind ausschließlich Gerichtsvollzieher berechtigt.