Eine Wohnung in guter Wohnlage zu finden, die auch bezahlbar ist, kann lange dauern. Kommt es zum Vertragsabschluss, können Mieter erwarten, dass die Wohnung mängelfrei übergeben wird. Treten während der Mietzeit Mängel auf, ist der Vermieter verpflichtet, diese „zeitnah“ zu beseitigen. Tut er das nicht, kann die Miete so lange gemindert werden, bis die Mängel abgestellt sind. Doch Vorsicht! Vor einer Mietminderung ist vieles zu beachten, und beim Umzug gibt es „Spielregeln“. Hier einige Tipps, wann und um wie viel die Miete gemindert werden kann und worauf dabei zu achten ist.

Mängelanzeige
Treten in Ihrer Wohnung oder im Mietshaus Mängel auf wie z.B….
- Schimmel, Nässe, durchgetretene Fußböden, Ungeziefer, verstopfte Rohre, Heizungsausfall,
- Beeinträchtigung durch Nachbarn wie z.B. Lärm oder Gerüche,
- Schmutz, Krach durch Straßenbau oder Sanierung im Nebenhaus,
…sind Sie verpflichtet, den Vermieter über die Beeinträchtigungen in Kenntnis zu setzen. Achtung! Für Mängel, die der Vermieter nicht zu verantworten hat, haftet er trotzdem. Sie sollten den Mangel…
- schriftlich anzeigen – und zwar per Einschreiben mit Rückschein (Grund: Schäden durch unterlassene Mängelanzeigen begründen Schadensersatzansprüche des Vermieters); oder
- innerhalb einer zumutbaren Frist (zwei Wochen) beheben lassen.
Reagiert der Vermieter auf die Mängelanzeige nicht bzw. lässt den Mangel nicht beheben, sind Sie berechtigt, die Miete zu mindern. Ein Mietabzug ist dem Vermieter aber vorher anzukündigen. Achtung!

Fällt die Heizung aus, kann man bis zu 100% mindern
Der Rechtsanspruch auf Mietminderung geht nicht automatisch sechs Monate nach Feststellung des Mangels verloren, selbst wenn in dieser Zeit die volle Miete gezahlt oder der Vermieter nicht informiert wurde.

Wie viel Mietabzug?
Um die Höhe des Mietabzugs bei Mängeln herauszufinden, sollten Sie sich an den örtlichen Mieterbund wenden. Dort gibt es Minderungstabellen zur Orientierung. Denn: Geringfügige Mängel, die den Wohnwert nicht wirklich beeinträchtigen, begründen keine Minderung. Es gibt aber Urteile, die Grundlage für eine Mietminderung sind. Sie können die Miete bei diesen Mängeln kürzen:
- Durchfeuchtung/Schimmel von Wänden und Teppichböden in der Austrocknungszeit = 50 Prozent
- Lärm, Staub von Großbaustelle in der Nachbarschaft = 15-60 Prozent
- Marder im Haus = 23 Prozent
- Motten in der Wohnung = 35 Prozent
- Ungeziefer im Haus = 10 Prozent
- Trittschallgeräusche = 20 Prozent
- Warmwasser braucht mehr als 15 Sekunden = 5 Prozent Abzug.
Achtung! Bemessungsgrundlage für die Mietminderung nach §536 BGB ist die Bruttomiete – Mietzins einschließlich Nebenkosten.

Minderungsübersicht
- Heizungsausfall = 100 Prozent
- Undichte Fenster = 50 Prozent
- Gesundheitsgefährdung, z.B. Gift im Baumaterial = 50 Prozent
- Regenwassereintritt = 50 Prozent
- Badewanne defekt = 30 Prozent
- Schimmelbefall = 10 – 20 Prozent
- Nachtruhestörung = 20 Prozent
- Taubenplage = 20 Prozent
- Lärm vom Nachbarn = 10 Prozent
- Rostiges Wasser = 10 Prozent
- Klopfen der Heizung = 10 Prozent

Wann volle Miete zahlen?
Hat Ihr Vermieter den Mangel beseitigt, müssen Sie wieder die volle Mietezahlen. Häufig schicken Vermieter aber Nachforderungen, weil sie den Zeitraum der Mietminderung oder die Höhe des Mietabzuges nicht anerkennen. Das können Sie ablehnen, wenn der Vermieter nicht auf die erste Minderungsankündigung reagiert hat.