Tür zugeschlagen, Abfluss verstopft oder TV kaputt? Wer im Notfall Handwerker ruft, zahlt oft Wucherpreise. Doch davor können Sie sich schützen

Egal welches Malheur Ihnen passiert ist oder wo die Technik in der Wohnung streikt: Hilfe ist immer zu finden. Im Branchenbuch wimmelt es von Notdiensten für alle Fälle. Aber: Oft handelt es sich um raffiniert vorgehende Abzock-Firmen, bei denen wenige Minuten Arbeit weit über 200 Euro kosten.

Vorsicht vor den größten Anzeigen
Verbraucherzentralen raten, schon beim Suchen im Branchenbuch die Spreu vom Weizen zu trennen. Innungsbetriebe und Notdienstgemeinschaften sind meist am preiswertesten. Vorsicht ist geboten bei Firmen mit den größten Werbeeinträgen. Nur um da so weit wie möglich vorn zu stehen, beginnen ihre Namen oft mit einem oder gleich mehreren „A“.

Hungerlohn für den Notdienst-Mann
Viele Notdienst-Abzocker arbeiten außerdem mit bundesweiten Zentralen, die in jedem Branchenbuch inserieren. Ihre Aufträge vergeben sie dann an örtliche Handwerker. Und die dürfen nur 20 Prozent des Rechnungsbetrages behalten. Folge: Es werden stark überhöhte Preise verlangt, damit etwas hängen bleibt.
Aber: Wenn der Notdienst am Einsatzort wirbt oder Sie ihn über die örtliche Rufnummer beauftragt haben, dürfen auch nur die ortsüblichen Anfahrtskosten berechnet werden. Egal woher der Monteur kommt.
Seriöse Firmen nennen außerdem Richtpreise am Telefon. Notdienst-Haie tun das nur selten – oder sie greifen zu einem Trick: Beim Anruf wird ein Preis von 75 Euro genannt, verlangt wird später das Doppelte. Wer dann nicht zahlen will, dem wird die eben geöffnete Tür wieder zugeschlagen. Damit aber machen sich Monteure strafbar: Das ist Nötigung, sagen Gerichte.
Damit man eine Chance hat, sein Geld zu retten, nur unter Vorbehalt bezahlen. Dafür vor die Unterschrift „u.V.“ setzen, Rechnungskopie verlangen. Am besten nicht mit Bargeld bezahlen.

Bei TV-Geräten hilft Notdienst nicht
Streikt der Fernseher bei einer Fußballübertragung, werden Sie schnell feststellen: TV-Notdienste können meist gar nichts ausrichten. In 95 Prozent aller Fälle wird nicht vor Ort repariert, der Apparat mitgenommen. Der Notdienst ist nur Bluff, um Aufträge zu sammeln und noch ein Ersatzgerät zu einer horrenden Miete hinzustellen.

Austauschteile aushändigen lassen
Gern werden von Notdienst-Geiern Teile ausgetauscht, die gar nicht defekt sind. Davor können Sie sich mit einem Trick schützen: Sagen Sie dem Monteur, er solle die ausgebauten Teile dalassen – Ihr Bruder würde sich als Bastler darüber freuen. Damit schreckt man Trickser meist ab, funktionstüchtige Teile auszutauschen, um mehr Geld vom Kunden zu kassieren.

Unseriösen Firmen droht hohe Strafe
Wer Opfer eine Notdienst-Abzockers geworden ist und deutlich mehr als Normalpreise bezahlt hat, sollte die Verbraucherzentrale einschalten. Denn den Gaunern drohen jetzt Geldstrafen bis 250000 Euro und in schweren Fällen sogar Haft. Deshalb lassen es die meisten erst gar nicht auf einen Rechtsstreit ankommen.