Wenn Facebook und Twitter zur Kündigungsfalle werden

Auf Facebook, Twitter und Co. findet man aktuelle Stellenausschreibungen und kann sich von seiner besten Seite präsentieren. Laut der Studie „Recruiting Trends 2013“ nutzt mittlerweile jeder zehnte Personaler das Portal Xing, um nach geeigneten Kandidaten zu suchen. Die sozialen Netzwerke können also förderlich für die Karriere sein. Schlimmstenfalls werden sie jedoch zum Karriereknick, gar zum Kündigungsgrund, wenn man in die Social-Media-Falle tappt. Doch wo lauern die größten Risiken, wie umgeht man sie und worauf achten die Chefs wirklich?

Es ist schon lange bekannt, dass Personalentscheider und Unternehmenschefs Bewerber googeln oder deren Social-Media-Profile durchleuchten. Partybilder oder Tiraden gegen den vorherigen Arbeitgeber können deshalb hinderlich für die erfolgreiche Bewerbung sein. Aber selbst wenn man den Job bekommt oder sich vielleicht schon seit Jahren im Unternehmen etabliert hat, können die sozialen Netzwerke zur Karrierefalle werden.

Satire, Scherze und Kommentare mit Folgen

So wie bei der Kellnerin Chelsea Welch. Sie arbeitete bis Anfang Februar noch bei der US-Kette Applebee‘s in St. Louis – bis sie die Rechnung des Pastors Alois Bell auf der Plattform Reddit.com mit einem Kommentar veröffentlichte.
Denn Alois Bell hatte die Trinkgeldzeile bei einer Kollegin von Chelsea Welch gestrichen und stattdessen auf den Ausdruck geschrieben: „Ich gebe Gott 10 Prozent, warum bekommst du 18?“ Welch fotografierte die Rechnung der Kollegin und kommentierte sie im Internet: „Mein Fehler, Sir, ich bin sicher, Jesus wird meine Miete und meine Einkäufe bezahlen.“
Die Community regte sich über den geizigen Gast auf und machte sich über Welchs Kommentar lustig – Alois Bell hingegen beschwerte sich bei Applebee’s und die junge Kellnerin wurde gefeuert.

Vertrauensbruch auch hierzulande ein Kündigungsgrund

Im Gegensatz zu den USA setzt man in Deutschland auf Abmahnungen. Der Rauswurf ist hierzulande nur das letzte Mittel und zu einer fristlosen Kündigung kann es per Gesetz nur aus wichtigem Grund kommen. Doch Arbeitsverweigerungen, Beleidigungen, Verstöße gegen die arbeitsvertraglichen Pflichten, wie beispielsweise Verstöße gegen die Schweigepflicht, gehören dazu. Und solche wichtigen Gründe finden die Chefs oft genug auf den Social-Media-Profilen.
Liegt man beispielsweise angeblich krank im Bett, postet aber auf Facebook sonnige Urlaubsbilder, hat man schlechte Karten im Job – ebenso, wenn man, wie der damals 27-jährige Hubert F., seinen Arbeitgeber als „Menschenschinder“ und „Ausbeuter“ bezeichnet. Er wurde fristlos gekündigt und auch das Arbeitsgericht kam zu der Entscheidung, dass der sofortige Rauswurf gerechtfertigt sei.
Denn solche Informationen, wenn sie öffentlich zugänglich sind oder wenn man schlimmstenfalls den Chef in der Freundesliste hat, fallen nicht unter das Beweisverwertungsverbot wie Telefongespräche oder E-Mail-Korrespondenzen, und können demnach vor Gericht als anklagende Beweise vorgebracht werden.

Privates und Berufliches trennen

Wiegen Sie sich also nicht in Sicherheit, nur weil das Internet Meinungsfreiheit suggeriert – nicht alles, was Sie posten, ist rechtlich geschützt. Prüfen Sie immer, was Sie wann veröffentlichen und wer es sehen könnte. Trennen Sie Berufliches von Privatem und lassen Sie sich lieber im direkten Freundeskreis über den Chef aus, anstatt im Internet – wenn Sie die Wut schon nicht herunterschlucken können.
Aber achten Sie ebenfalls darauf, zu welcher Zeit Sie posten. Selbst harmlose Nachrichten während der Arbeitszeit können Schwierigkeiten bereiten, wenn in Ihrem Arbeitsvertrag festgelegt wurde, dass privates Surfen tabu ist.
Denken Sie immer daran: Je öffentlicher Sie sich präsentieren, desto offener liegen Sie auch auf dem Präsentierteller. Zeigen Sie sich also von Ihrer besten Seite – so wie Sie es auch bei den Social-Media-Accounts halten würden, die gezielt für die Jobsuche oder geschäftliche Kontakte gedacht sind. Oder überprüfen Sie in den Privatsphäre-Einstellungen, wer was von Ihnen lesen kann. Dadurch vermeiden Sie das Risiko, dass die sozialen Netzwerke, die Sie vielleicht nur zum Spaß an der Freude nutzen, Ihrer Karriere schaden könnten.

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