Charakteristika und Verhaltenstipps

Fast jeder von uns hat es im Job mit einem unmittelbaren Vorgesetzten zu tun, mit dem man sich täglich auseinandersetzen muss. Ob es uns nun gefällt oder nicht – wir sind ein Leben lang Autoritätspersonen und Hierarchiesystemen mehr oder weniger ausgeliefert. In der Regel können wir uns unsere Chefs und Vorgesetzten leider nicht aussuchen. Wenn Chefs aber wissen, wen Sie vor sich haben und was Sie ausstrahlen, dann wird die Situation erleichtert. Die Cheftypologie in diesem Text kann helfen, sich besser auf das Verhalten Ihres Vorgesetzten einzustellen. Sie lernen Konfliktsituationen zu entschärfen oder sogar zu vermeiden, wenn Sie wissen, wie Ihr Chef „tickt“. Falls Sie selbst Chef sind, so können Sie aufkommende Missverständnisse schneller beseitigen. Sind Sie eigentlich gar nicht der Typ Chef, für den Sie aufgrund Ihres Verhaltens gehalten werden, dann können Sie mit gezielten Mitteln gegensteuern.

Der Narzisst

„Nur Schwachköpfe um mich herum, die alles falsch machen.“ Redet meistens nur Ihr Chef und am liebsten über sich bzw. darüber, dass nichts so wäre, wie es ist, wenn er es nicht dazu gemacht hätte? Muss er sich auch optisch wie ein Chef präsentieren und ist stets korrekt gekleidet. Bemüht er sich, seinem Äußeren immer eine persönliche Note zu verleihen? Entdecken Sie in seinem Büro nur Auszeichnungen, Urkunden, Pokale von ihm, die seine Fähigkeiten beweisen? Dann haben Sie womöglich einen Chef vor sich, der ein Narzisst ist. Profilieren Sie Ihre eigene Person besser nicht vor ihm und halten Sie sich bei wichtigen oder schwierigen Gesprächen zurück. Biedern Sie sich niemals zu sehr an, aber teilen Sie ihm uneingeschränkte Bewunderung mit und das mit vollem Körper- und Stimmeinsatz. Bei Ideen zu Projekten geben Sie ihm nebenbei Hinweise, die Sie zu Ihrem Ziele führen, seine Denkweise in die Richtung zu lotsen, in der Sie ihn haben wollen. Geben Sie ihm dann das Gefühl, dass alles seine Idee gewesen wäre. Generell hat alles seine zwei Seiten, auch der Narzissmus: Auf das richtige Maß kommt es an. Im Leben geht es nicht ohne ein gewisses Maß an Selbstliebe, besonders nicht in dem einer Führungskraft: Ein hohes Selbstwertgefühl, eine Begabung für eindrucksvolle Repräsentation und schauspielerische Selbstdarstellung verleihen Führungspersönlichkeiten den besonderen Glanz. Sie könnten ansonsten langweilig wirken. Oder hätten Sie lieber einen glanzlosen Chef?

Der Zwanghafte

Nach der klassischen Beschreibung Freuds sind zwanghafte Charaktere durch die Trias, Sparsamkeit, Ordentlichkeit und Eigensinn definiert. Sie wirken perfektionistisch und rechthaberisch. Es macht Ihnen Angst, wenn plötzliche Veränderungen stattfinden. Alles Impulsive und Spontane muss deshalb streng kontrolliert und beherrscht oder beseitigt werden. Die Menschen, die unter einer zwanghaften Persönlichkeit leiden, können sich kaum entspannen. Sie haben Vorliebe für unwichtige Details und achten auf alles peinlich genau bis zur Pedanterie. Wenn es Ihnen möglich ist, machen Sie sich ein genaues Bild von den „Marotten“ ihres Vorgesetzten und passen Sie sich ihnen an. Nach dieser Chef-Analyse achten Sie auf Ihre Verhaltensweisen und vermeiden Sie provozierende Äußerungen. Das beginnt bei Ihrer Haltung, betrifft insbesondere Ihre Kleidung und endet bei Ihrem Zeitverständnis gegenüber ihrem Chef. Geben Ihm das Gefühl, dass er sich immer auf Sie verlassen kann und in wichtigen Situationen für ihn berechenbar zu sein. Ersparen Sie ihm unangenehme Überraschungen und seien Sie immer korrekt. Mit all diesen Maßnahmen vermeiden Sie, dass seine Aufmerksamkeit vom eigentlichen Thema abgelenkt wird. Sie erreichen damit, dass er für Ihre wirklich wichtigen Anliegen offen bleibt.

Der Sachliche

Fakten und Sachlichkeit sind die wichtigsten Leitlinien solcher Chefs. Man wird nur schwer warm mit diesen Menschen. Sie halten sich die Mitarbeiter vom Leibe und geben meist Anweisungen. Auch bei längerer Zusammenarbeit sind sie gegenüber ihren Mitarbeitern immer noch sehr reserviert und unnahbar. Sie zeigen keine Gefühle und besitzen wenig die Fähigkeit, sich in andere Menschen hineinzufühlen. Sie akzeptieren auch keine anderen Gefühlsausbrüche, deshalb wirken sie oft unterkühlt und unzugänglich. Am besten Sie probieren erst gar kein Small Talk mit ihm zu führen. Sie würden kaum eine lockere Atmosphäre erreichen, aber durch ein freundliches Verhalten, das genauso distanziert ist, machen Sie den besten Eindruck bei ihm. In Gesprächen bringen Sie Ihre Anliegen auf den Punkt, bereiten Sie sich gut vor und halten verbindliche Termine immer ein. Kommunizieren Sie nur konkrete und garantierte Fakten und bleiben Sie bei der Sache. Denn darum sollte es Ihnen in erster Linie gehen. Vergessen Sie nicht, Ihren Kleidungsstil danach anzupassen und bleiben Sie möglichst unauffällig.

Der Theatralische

Haben Sie das Gefühl, mit einem Filmstar zusammenzuarbeiten? Immer neue Ideen, eine besser als die andere. Ihr Chef ist immer in Bewegung und hetzt von Termin zu Termin.
Sie fühlen sich in seinem Büro wie in einer Filmkulisse, überall sieht man die Auszeichnungen seiner genialen Ideen. Ihr Vorgesetzter ist somit eine theatralische Persönlichkeit, die in Extremen denkt und lebt. Schnell ist er begeistert von einer neuen Idee, wo er sich gerne mit viel Fantasie hineinsteigert. Leider wird diese grandiose Idee ebenso schnell zugunsten von neuen Impulsen verworfen oder einfach vergessen. Der beste Tipp bei einem theatralischen Chef ist, täglich von neuem seine Laune zu überprüfen und sich gegebenenfalls schnell danach anzupassen. Das gilt aber nicht für Ihren Kleidungsstil, Sie sollten ihn nicht mit einem „08/15-Look“ anöden, aber auch nicht zu extravagant auftreten, da Sie ansonsten als Konkurrent gesehen werden.

Der Depressive

Vorgesetzte mit einer depressiven Persönlichkeitsstruktur verkörpern das krasse Gegenteil des gängigen Managerideals, das ein starkes Selbstwertgefühl und ein gutes Durchsetzungsvermögen verlangt. Selten sind sie autoritär, eher auf Harmonie einer Nähe garantierenden Teamarbeit aus, denn ihr Selbstwertgefühl ist beschädigt und dies hat Auswirkungen: Oft verspüren sie ein erhebliches Gefühl der Machtlosigkeit. Neben mangelnder Initiative und Risikobereitschaft dominiert die Angst vor dem Erfolg. Sie brauchen sehr viel Selbstbewusstsein im Umgang mit diesem Chef. Versuchen Sie sich niemals von seiner Entscheidungsschwäche und Antriebslosigkeit anstecken zu lassen. Nehmen Sie seine Entscheidungen gegen Sie und seine Passivität nicht persönlich. Ihre Bemühung ihn zu mobilisieren und aus seiner Depression herauszureißen, ist wahrscheinlich zum Scheitern verurteilt; die Situation würde sich nur verschlimmern. Übernehmen Sie in einem Gespräch den Hauptteil, damit er entlastet ist, natürlich sollte das ganz unauffällig passieren. Am besten ist, wenn Sie ihm noch einmal ein schriftliches Gesprächsprotokoll vorlegen. Dadurch hat er die Möglichkeit, sich optimal vorzubereiten. Er müsste sich Ihnen gegenüber seine Überforderung nicht eingestehen und kann sich individuell in die Thematik einarbeiten.

Generelle Ratschläge

Nahezu alle Tipps zielen darauf, Sie zu einem geschickteren Umgang mit Ihrem Chef zu ermuntern. Ändern Sie Ihr Verhalten, dann wird sich die Situation ändern, lautet das Versprechen. Ihren Chef hingegen brauchen Sie nicht zu ändern – es genügt völlig, wenn er anders mit Ihnen umgeht: offener, respektvoller, fairer. Aber welcher Typ Ihr Chef auch sein mag: lassen Sie sich nicht allzu sehr verbiegen und versuchen Sie, Ihren Arbeitsstil so weit wie möglich zu verfolgen – selbstverständlich ohne Ihren Vorgesetzten damit zu provozieren. Bei sichtbaren Erfolgen und mit guten Argumenten wird sich jeder Vorgesetzte überzeugen lassen. Besteht zwischen Ihnen ein respektvolles Verhältnis, wird es sicherlich eine Möglichkeit zu einem Kompromiss geben. Für eine weiterführende Auseinandersetzung mit diesem Thema empfehlen wir für Mitarbeiter individuell abgestimmte Inhouse Seminare sowie für Führungskräfte passende Führungskräfte-Trainings.

Autor:
Büro für Berufsstrategie Hesse/Schrader
www.berufsstrategie.de