Vermögen in Höhe von rund 200 Milliarden Euro werden jedes Jahr vererbt. Doch oft führt das zum Streit. Denn nur in drei von hundert Fällen gibt es ein Testament.

Hat der Verstorbene seinen letzten Willen hinterlassen, ist für die Familie alles klar. Doch viele glauben, dass sie als Normalverdiener kein Testament benötigen. Das ist aber ein Irrtum – denn die gesetzliche Erbfolge kann böse Tücken haben.

Ehegatten und Kinder sind als erste dran
Der Grundsatz im Gesetz ist eine gleichmäßige Verteilung des Nachlasses in der Familie. Zunächst erbt dann neben dem Ehegatten jeder direkte Nachkomme, also Kinder oder Enkel des Verstorbenen. Gibt es mehrere Kinder oder Enkel des Verstorbenen. Gibt es mehrere Kinder, auch uneheliche, erben alle zu genau gleichen Teilen. Die Enkel kommen allerdings nur zum Zuge, wenn ihre Eltern nicht mehr am Leben sind.
Gibt es keine Kinder oder Enkel, treten die Eltern des Verstorbenen in die Erbfolge ein. Sind die bereits tot, kommen die Geschwister des Verstorbenen an die Reihe oder deren Nachkommen.
Die dritte Ordnung in der Erbfolge geht von den Großeltern des Verstorbenen aus. Weil die oft nicht mehr leben, treten deren Abkömmlinge als Erben an. Das sind die Onkel, Tanten, Cousins und Cousinen des Verstorbenen oder, wenn die nicht mehr leben, deren Kinder. Finden sich nirgendwo in der Verwandtschaft Erben, fällt der Nachlass an den Staat.

Oft fehlt Geld, um Erben auszuzahlen
Tücke der Gesetze: eventuell muss der überlebende Ehegatte andere Erben auszahlen und hat kein Geld dafür. Oft müssen sogar Wohnungen und Häuser verkauft werden, die ursprünglich mal als schuldenfreies Zuhause für einen ruhigen Lebensabend gedacht waren. Und das Geld geht dann an gierige Verwandte, die es sogar mit Erfolg einklagen können.

Partner muss extra abgesichert werden
Ganz bitter: auch wenn Unverheiratet seit Jahren zusammenleben, haben sie keinen gesetzlichen Erbanspruch. Sie gelten als Fremde. Das lässt sich nur durch ein Testament ändern. Und nur dadurch oder per Erbvertrag (setzt der Notar auf) lässt sich auch vermeiden, dass eine Mutter von den eigenen Kindern zur Auszahlung gezwungen wird.