Ist soviel Absicherung nötig?
Die Scheidungsquote in Deutschland ist Weltspitze. Jede dritte Ehe wird geschieden, meist begleitet von Zank und Streit. Es geht um die Kinder, das Haus, das Auto, um Geld und die nacheheliche Absicherung. Um von Anfang an klare Verhältnisse zu schaffen, entscheiden sich immer mehr Paare für einen Ehevertrag als Absicherung für den „Fall der Fälle“. Aber: eine Vollkaskoversicherung kann auch der Ehevertrag nicht bieten, denn nicht alles darf vereinbart werden.

Rechtliche Basis

Die rechtlichen Grundlagen für einen Ehevertrag sind in §1410 BGB geregelt. Dort ist festgeschrieben, dass Ehegatten ihre güterrechtlichen Verhältnisse in einem Ehevertrag regeln und den Güterstand aufheben oder ändern können. Im Ehevertrag können die Ehegatten folgende Punkte regeln:
- Zugewinngemeinschaft
- Versorgungsausgleich
- Gütergemeinschaft
- Gütertrennung
- Unterhaltung

Ehevertrag
Der Ehevertrag sollte von einem Anwalt nach den Wünschen der Ehegatten entworfen werden. Dann muss ihn ein Notar beglaubigen, sonst ist er nicht rechtswirksam. Der Notar muss den Vertrag vor der Beurkundung auf Vor- und Nachteile prüfen und die Ehegatten darauf aufmerksam machen.

Zugewinngemeinschaft
Der klassische Güterstand ist die Zugewinngemeinschaft. Sie basiert auf der traditionellen Ehe- der Mann verdient das Geld, die Frau ist Hausfrau. In der Zugewinngemeinschaft behält jeder Ehegatte das, was er vor der Ehe besessen hat. Alle gemeinsam in der Ehe erwirtschafteten Vermögenswerte gehören beiden Partnern- das ist der Zugewinn. Eine Erbschaft oder ein Lottogewinn zählen nicht dazu. Bei Scheidung hat der finanziell schlechter gestellte Ehegatte Anspruch auf:
- Versorgungsausgleich
- Zugewinnausgleich
- Unterhaltszahlung

Gütergemeinschaft
Die Gütergemeinschaft ist ein Auslaufmodell, sie wird nur noch sehr selten zwischen Ehegatten vereinbart. Darin wird festgelegt, dass ein gemeinsames Vermögen existiert, über das aber kein Ehegatte allein verfügen darf. Außerdem kann ein Ehegatte für den anderen haftbar gemacht werden. Im Falle einer Scheidung wird das gesamte Vermögen durch zwei geteilt.

Gütertrennung
Bei der Gütertrennung gehört jedem Ehepartner das, was er in die Ehe mitbringt und was er sich während der Ehe anschafft. Die Gütertrennung ist sinnvoll für, die beide berufstätig sind, oder wenn ein Partner eine Firma besitzt. Bei der Gütertrennung ist der notarielle Ehevertrag zwingend, es gibt keinen Vermögens- oder Versorgungsausgleich und keinen Zugewinn.

Versorgungsausgleich
Der Versorgungsausgleich soll die Arbeit, die beide Partner für die Familie leisten, bei der Rente berücksichtigen. Im Scheidungsfall werden die finanziellen Unterschiede bei der Altersversorgung durch Rentenanwartschaften ausgeglichen. Der Ausschluss des Versorgungsausgleichs im Ehevertrag ist unwirksam, wenn ein Partner mittellos werden würde.