Zahlungskräftig oder nicht: In 70 Prozent aller Fälle entscheidet nur die Statistik, ob man Geld leihen darf

Die Werbung der Bank klingt verlockend: ein Kredit ab 4,5 Prozent Zinsen pro Jahr. Also rein in den seriösen Anzug und ab zum Schalter. „Wohnort? Alter? Familienstand? Wie viele Kinder?“ Der Bankberater will erst mal eine ganze Menge wissen, tippt alles in den Computer ein – und dann der Schock: „Ihnen könnte ich einen Kredit für elf Prozent anbieten.“

Der Computer wertet Ihre Lebenssituation
In immer mehr Banken entscheidet allein ein statistisches Verfahren darüber, wer einen Kredit bekommt und wie teuer der wird, so das Ergebnis einer Studie des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen. Das Verfahren heißt Scoring und funktioniert so: Der Computer bewertet Merkmale wie etwas Familienstand und Wohnort in einem Punktesystem. Grundlage dafür ist eine Statistik. Gab es beispielsweise in einem Viertel viele säumige Schuldner, muss künftig jeder, der dort wohnt, mit Punkteabzug rechnen. Und je niedriger die Zahl am Ende ist, desto höher sind die Risiken für die Bank und ergo ihre Zinsen.

Wehren kann man sich so gut wie gar nicht
Beeinflussen können Sie Ihren Punktestand kaum, aber Ihren Schufa- Wert. Denn auch hier fragen Bankberater an, bevor sie Geld verleihen. Wollen Sie zunächst nur Preise für den Kredit vergleichen, machen Sie den Bankberater darauf aufmerksam, dass er bei der Schufa Anfrage „Anfrage Kreditkonditionen“ eingeben soll. Die Option „Kreditanfrage“ lässt Ihre Kreditwürdigkeit nämlich von Mal zu Mal sinken. Leider werden beide immer wieder verwechselt.